Die Einsamkeit ist im Bundeshaus angekommen: Am 18. März 2026 diskutierten Parlamentsmitglieder und Fachpersonen auf Einladung der parlamentarischen Gruppen «Altersfragen», «Kinder und Jugend» sowie «Care Leaving» darüber, was die Bundespolitik zur Prävention und Linderung von Einsamkeit beitragen soll. Connect! war dabei, und diese Aussagen sind uns aufgefallen.
- Ständerätin Flavia Wasserfallen (SP, BE), Co-Präsidentin der Parlamentarischen Gruppe Altersfragen: «Es braucht umfassende Massnahmen, und vulnerable Gruppen müssen berücksichtigt werden.»
- Nationalrätin Christine Bulliard (Mitte, FR), Co-Präsidentin der Parlamentarischen Gruppen Jugend und Kinder: «Es ist wichtig, dass der Bund sich einsetzt, koordiniert und nach Lösungen sucht.» Sie verglich die zahlreichen, aber wenig vernetzten Projekte und Angebote zur Einsamkeit in der Schweiz mit einem Flickenteppich. 2025 hat sie ein Postulat «für eine bessere Informationsgrundlage und klare Zuständigkeiten im Kampf gegen Einsamkeit und soziale Isolation» eingereicht, das noch nicht behandelt ist.
- Nationalrätin Sarah Wyss (SP, BS), Co-Präsidentin der Parlamentarischen Gruppen Care Leaving: «Es ist Aufgabe des Staates, dafür zu sorgen, dass es in der Versorgung nicht zu Ungleichgewichten zwischen den Kantonen kommt. Aber das Parlament hat gerade entschieden, in der Prävention abzubauen.»
- Nationalrätin Patricia von Falkenstein (LDP, BS): «Wir sind am Punkt, wo das Engagement aus Kantonen, Gemeinden, Stiftungen nicht mehr reicht.» Nationalrätin von Falkenstein ist Präsidentin von Pro Senectute beider Basel.
- Daniela Schuler, wissenschaftliche Projektleiterin am Obsan und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von Connect!: «Einsamkeit ist kein Randphänomen, und sie ist relevant für die öffentliche Gesundheit.» Die Anzahl der 65-Jährigen und Älteren, die sich nach eigener Einschätzung einsam fühlen, ist seit 1997 infolge der demografischen Entwicklung um 60% gestiegen; gleichzeitig lässt diese Entwicklung erwarten, dass sich die Zahl der 80-Jährigen und Älteren in der Schweiz bis 2050 verdoppeln wird.
- Prof. Dr. Daniel Süss, ZHAW: «Es gibt keinen linearen Zusammenhang zwischen Einsamkeit und der auf Social Media verbrachten Zeit.» Wer Social Media aktiv und bewusst nutze, gehe ein kleineres Risiko ein als passive Konsument:innen. Sein Fazit: «Medienkompetenz ist wichtig.»
- Annika Rohrmoser, Universität Basel: «Die Evidenz ist heute am besten für Massnahmen auf individueller Ebene. Wir sollten aber nicht vergessen, dass auch Massnahmen auf den Ebenen der Gemeinden und der Gesellschaft wichtig sind.» (Siehe auch WHO-Report)
Nur wenige Parlamentsmitglieder waren anwesend. Offenbar hat die Mehrheit der National- und Ständerät:innen noch nicht erfasst, wie dringlich das Problem ist.
Eindrücklich war das «Blitzlicht» einer jungen Vertreterin des Vereins Careleaver Schweiz. Sie sprach darüber, wie einsam viele junge Menschen sind, die einen Teil ihres Lebens in einem Heim oder einer Pflegefamilie verbracht haben und sich im Übergang ins Erwachsenenleben befinden: Isolation in der eigene Familie, Trennung von der Herkunftfamilie, Start ins Alleinleben, prekäre Lebensbedingungen.