Biografische Übergänge und kritische Lebensereignisse im Alter

Im Faktenblatt der Gesundheitsförderung Schweiz (externer Link) zeigt Prof. Dr. Pasqualina Perrig-Chiello, wie Fachpersonen Menschen in Lebensübergängen und Krisen gezielt unterstützen können. Connect! hat das Faktenblatt gelesen und einige Aspekte daraus zusammengefasst.  

Lebensübergänge

Lebensübergänge sind altersbedingt voraussehbare Veränderungen wie Pensionierung oder Menopause. Sie erfordern Anpassungen im Alltag und in der Rolle. Mit einem Lebensübergang ist eine Neudefinition der Identität verbunden.

Kritische Lebensereignisse

Kritische Lebensereignisse sind nicht voraussehbare Veränderungen wie Scheidung, Flucht oder schwere Krankheit. Sie stellen eine akute Extremerfahrung der psychophysischen Belastbarkeit dar. Zu den häufigsten und schwierigsten gehören der Verlust eines geliebten Menschen sowie schwere Erkrankungen.

Natürlicher Teil des Lebens

Lebensübergänge und kritische Ereignisse gehören zum Leben. Sie sind unvermeidbar und prägen die Biografie der Betroffenen. Jede Person erlebt sie in unterschiedlicher Intensität.

Potenzial für Resilienz

Beide Ereignisse haben das Potenzial, die Resilienz zu stärken. Sie fördern Wachstum, wenn Bewältigungsstrategien greifen. Persönlichkeitsmerkmale und Charakterstärken sind für eine gute Bewältigung letztlich entscheidend, u.a. psychische Resilienz.

Risiko der Vulnerabilisierung

Gleichzeitig bergen Lebensübergänge und vor allem kritische Lebensereignisse das Risiko von psychischer Vulnerabilisierung. Ohne Unterstützung können sie zu langfristigen Belastungen führen. Schutzfaktoren mildern diese Gefahren.

Schutzfaktoren: Soziales Netz und Persönlichkeitsmerkmale

Soziale Netze sind ein wichtiger Schutzfaktor, vor allem enge soziale Beziehungen, oder Teil einer Gruppe zu sein (z.B. Sportclubs oder Vereine). Persönlichkeitsmerkmale sind letztlich entscheidend für eine gute Bewältigung: Selbstverantwortlichkeit, Willenskraft, Proaktivität, soziale Kompetenz, Hoffnung. 

Übergänge im dritten Lebensalter

Wichtige Übergänge im dritten Lebensalter sind Pensionierung und Scheidung. Sie fordern Neuausrichtung in Beruf und Partnerschaft. Nach Scheidung relevant sind Persönlichkeitsmerkmale, Kompetenzdefizite in der Kommunikation, mangelnde soziale Unterstützung sowie finanzielle Probleme; Männer sind deutlich stärker gefährdet.

Zusätzliches Risiko: Altersarmut und Stereotype

Altersarmut betrifft 20% in der Schweiz und verstärkt Belastungen. Negative Altersstereotype führen zu Selbststigmatisierung. Prävention durch Aufklärung ist essenziell.

Das vierte Lebensalter

Die Lebensphase vom vierten Lebensalter ist durch zunehmende Fragilität sowie den Verlust nahestehender Menschen gekennzeichnet. Das erschwert die Alltagsgestaltung und soziale Teilhabe. Einschneidende Übergänge in dieser Zeit sind häufig die Übernahme einer Betreuungsrolle für Angehörige oder der eigene Eintritt in eine Pflegeinstitution.

Wie Fachpersonen und die Kantonalen Aktionsprogramme (KAP) unterstützen können

Fachpersonen können Menschen in biografischen Übergängen und bei kritischen Lebensereignissen auf verschiedenen Ebenen unterstützen, um deren psychische Gesundheit zu fördern und die Resilienz zu stärken. Das geht aus dem Faktenblatt der Gesundheitsförderung Schweiz hervor.

1. Psychoedukation und individuelle Stärkung

  • Wissensvermittlung: Fachpersonen können durch Psychoedukation dabei helfen, die Situation besser zu verstehen und zu normalisieren.
  • Förderung von Lebenskompetenzen: Gezielte Maßnahmen können die Selbstwirksamkeit, Kommunikationsfähigkeit, Emotionsregulation und Stressbewältigung stärken.
  • Ressourcenaktivierung: Fachpersonen können dabei unterstützen, eigene und soziale Ressourcen zu entdecken und zu aktivieren.

2. Früherkennung und gezielte Beratung

  • Enttabuisierung: Fachpersonen sollten tabuisierte Themen wie Einsamkeit oder Suizidgedanken im Alter aktiv ansprechen und so den Zugang zu Hilfe erleichtern.
  • Bedarfsgerechte Interventionen: Die Unterstützung sollte nach dem Grad der Belastung differenziert werden.

3. Unterstützung spezifischer Gruppen

  • Männer im Alter suchen traditionell seltener Hilfe und unterdrücken Gefühle von Verletzlichkeit eher. Geschlechtersensible Ansätze sind wichtig.
  • Betreuende Angehörige benötigen niederschwellige Informationen, Entlastungsangebote und Möglichkeiten zur sozialen Teilhabe, um ihre eigene Gesundheit zu erhalten.
  • Heimeintritt: Fachpersonen in Institutionen können den Übergang erleichtern, indem sie den Bewohnern kontrollrelevante Informationen geben und sie ermutigen, ihren Alltag selbstverantwortlich mitzugestalten.

4. Vernetzung und strukturelle Massnahmen

  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Eine enge Vernetzung von Fachleuten aus Pflege, Psychologie, Sozialarbeit, Finanzen und Recht ermöglicht eine ganzheitliche Unterstützung der Betroffenen.
  • Schaffung günstiger Rahmenbedingungen: Fachpersonen können auf struktureller Ebene mitwirken, um altersfreundliche Quartiere, Besuchsdienste und Begegnungsmöglichkeiten zu fördern.
  • Öffentlichkeitsarbeit: Positive Narrative zu vielfältigen Lebensmodellen im Alter und die Aufklärung über soziale Risiken reduzieren Altersstereotype.

Lesen Sie hier das Faktenblatt bei Gesundheitsförderung Schweiz (externer Link).